Wandern auf dem Erzwerg: 9 Jahre Bergbaumuseum Auerbach

Posted by admin on Mai 1st, 2009 and filed under Auerbach, Brigitte Grüner, Kultur, Nachrichten, Region, Verfasser. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. You can leave a response or trackback to this entry

Vor neun Jahren wurde das Bergbaumuseum „Maffeischächte Auerbach“ eröffnet. Es zeigt Maschinen und Geräte aus dem früheren Erzbergbau. - Bild: Brigitte Grüner

Vor neun Jahren wurde das Bergbaumuseum „Maffeischächte Auerbach“ eröffnet. Es zeigt Maschinen und Geräte aus dem früheren Erzbergbau. - Bild: Brigitte Grüner

AUERBACH. Spätestens mit dem Frühlingsanfang beginnt für viele begeisterte Läufer, Spaziergänger und Naherholungssuchende wieder die Wandersaison. Zwischen Pegnitz (Landkreis Bayreuth) und Sulzbach-Rosenberg (Kreis Amberg-Sulzbach) verläuft der „Erzweg“, der vom Deutschen Wanderverband mit dem Gütesiegel „Qualitätsweg“ ausgezeichnet wurde. An der Strecke liegen auch das Naturschutzgebiet „Grubenfelder Leonie“ und das Bergbaumuseum Maffei. Beide Sehenswürdigkeiten liegen in der Gemeinde Auerbach.

Dem Erzweg wurde inzwischen sogar schon ein kleines Büchlein gewidmet. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) hat das ausführliche Wanderbuch mit detaillierten Wegbeschreibungen als Ergänzung zum Flyer des Landkreises Amberg-Sulzbach vor etwa einem Jahr herausgegeben.

Der „Erzweg“ ist ein Themenweg, der sich der jahrhundertealten Bergbautradition und Industriegeschichte in der Region widmet. Das Buch über den insgesamt 231 Kilometer langen Weg bietet zahlreiche Vorschläge für Tagestouren, aber auch für mehrtägige Wanderungen. Eine kleine Karte liegt bei. Die Touren eignen sich für Genusswanderer ebenso wie für Familien.

Die Haupttrasse des Erzweges führt von Pegnitz über Auerbach, Neuhaus, Etzelwang und Högen nach Sulzbach-Rosenberg. Dazu kommen mehrere Schlaufen, etwa die Hirschbacher Schlaufe, die Königsteiner Schlaufe, die Neuhauser Schlaufe oder die Plecher Schlaufe. Diese Nebenwege – insgesamt sieben wurden markiert – bieten den Wanderern viel Abwechslung. Beschauliche Waldspaziergänge sind ebenso möglich wie anspruchsvolle Felsensteige.

Natürlich kommt auch die Kultur nicht zu kurz, insbesondere die über 1000-jährige Bergbautradition der Region steht – wie der Name „Erzweg“ schon sagt – im Mittelpunkt. Ein rotes Kreuz auf weißem Hintergrund ist für die Wanderer das Erkennungszeichen des vom Deutschen Wanderverband ausgezeichneten Weges.

Im Auerbacher Raum tangiert der Weg das Naturschutzgebiet Leonie, das Bergbaumuseum Maffeischächte und den Gottvaterberg, über den einst eine Drahtseilbahn das Erz beförderte.

Das Naturschutzgebiet Leonie war früher Bruchgebiet. Während der Zeit des aktiven Bergbaus in Auerbach durfte dieses Gelände wegen Einsturzgefahr infolge des unterirdischen Erzabbaus nicht betreten werden. Nach dem Konkurs der Maxhütte und der damit verbundenen Schließung des Bergwerks Leonie im Jahr 1987 blieb das Gebiet sich selbst überlassen.

Vor einigen Jahren wurde das Areal, in dem zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten leben, vom Landesbund für Vogelschutz gekauft. Seit Sommer 2000 wird das Naturschutzgebiet von Auerochsen beweidet. Diese Tiere sind Rückzüchtungen verschiedener Hausrinder und sehen dem längst ausgestorbenen Ur oder Auerochsen ausgesprochen ähnlich. Die Tiere sorgen mit der natürlichen Beweidung dafür, dass das Offenland erhalten bleibt, welches wiederum dem Artenreichtum dient.

Der Auerochse lebte einst im Auerbacher Gebiet, gab der Ortschaft ihren Namen und ist das Wappentier der Stadt. Ein kleiner Weg führt um das Naturschutzgebiet herum und mit etwas Glück kann man die Herde, die jedes Jahr einige Jungtiere hervorbringt, gut beobachten.
Am „Erzweg“ liegt das einst wohl bedeutendste Eisenerzbergwerk Bayerns. In der Schachtanlage Maffei, deren Bau 1904 begann, wurden bis Ende Juli 1978 rund 16 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert. Die Arbeit unter Tage war für die Bergleute nicht einfach, da ständig mit Wassereinbrüchen gerechnet werden musste. Während des Abbaus musste laufend abgepumpt werden, was die Kosten für den Betreiber der Anlage – die Sulzbacher Maxhütte – beträchtlich erhöhte. Allerdings sprach die sehr gute Qualität des Erzes für eine Fortführung des Grubenbetriebs.

Die Fördertürme der Schachtanlage sind die ältesten dieser Art in Bayern und sind bereits vom nahen Gottvaterberg aus sichtbar. Über diesen Berg führte früher eine Drahtseilbahn, die das gewonnene Erz zur Verladung auf den Auerbacher Bahnhof transportierte.

Im Mai 2000 wurde das Bergwerksmuseum „Maffeischächte“ eröffnet. In den noch erhaltenen alten Hallen und dem Freigelände werden Maschinen und Geräte gezeigt, die früher unter Tage im Einsatz waren. Das Museum hat von Mai bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Die Führungen übernehmen frühere Bergleute, die sich aufgrund eigener Erfahrungen an die Arbeit im Bergwerk Maffei noch gut erinnern können. Nach Vereinbarung sind auch außerhalb dieser Öffnungszeiten Führungen möglich (Telefon 09643/2433).

Der Qualitätswanderweg „Erzweg“ führt natürlich nicht nur an die Relikte der Bergbautradition im Auerbacher Raum. Informationen über die Haupt- und Nebenwege gibt im Internet unter www.erzweg.de. Wer Naherholung sucht und sich für die Kombination mit Industriekultur interessiert, wird von dieser Strecke begeistert sein.

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